Die Bevölkerungsverteilung Brasiliens

Bevölkerungsverteilung in Brasilien @Brazil24.com
Karte: Verteilung der brasilianischen Bevölkerung

In Brasilien leben Anfang 2016 205 Millionen Menschen, somit finden sich etwa die Hälfte aller Einwohner Südamerikas in Brasilien. Mit durchschnittlich 24 Bewohnern pro qkm ist das Land aber dank seiner immensen Fläche eher dünn besiedelt. Jedoch leben mehr als 85% in Küstennähe oder in den Grossstädten.

Die brasilianische Bevölkerung ist recht jung: Das mittlere Alter beträgt 31 Jahre, die mittlere Lebenserwartung liegt bei 73 Jahren. Durchschnittlich kamen 1,8 Kinder pro Frau auf die Welt. Zum Vergleich: Im Jahr 2014 lag das durchschnittliche Alter der Einwohner in Deutschland bei 44 Jahren, die Geburtenrate liegt bei 1,5 Kindern pro Frau.

In dieser Phase liegt die Kinderzahl pro Frau unter dem langfristig zur Konstanthaltung der Bevölkerung notwendigen Niveau von 2,1 und die Bevölkerung wird langfristig gesehen ohne Zuwanderung abnehmen. Es wird angenommen, dass es ab 2025 zu einer Überalterung der Bevölkerung und somit zu einem Mangel an Arbeitskräften bei gleichzeitiger Zunahme der älteren Bevölkerung kommen wird.

Ethnien in Brasilien

Quilombolas in Brasilien - ethnische Minderheit
Foto: Quilombolas

Fünf verschiedene Gruppen haben sich in Brasilien nieder gelassen, resp. sind hier zu finden. Durch die Mischung verschiedener Gruppen ist aber eine klare Zuordnung heute kaum mehr möglich.

  • Portugiesen, die ursprünglichen Kolonialisten
  • Afrikaner, als Sklaven nach Brasilien verschleppt
  • Europäer, hier vor allem Deutsche, Italiener, Spanier, Polen und Ukrainer
  • Asiaten, vor allem Japaner, aber auch Koreaner, Libanesen und Syrer
  • einheimische Volksgruppen (200 ethnische Gruppen mit insgesamt etwa 500.000 Mitgliedern).

Nach einer Erhebung des brasilianischen Instituts der Geografie und Statistik IBGE im Jahre 2005 bezeichnen sich rund 49,9 % der Brasilianer selbst als Weiße, 43,2 % als Mischlinge und 6,3 % als Schwarze, 0,7 % als Gelbe oder Indigene.

Der größte Teil der afrobrasilianischen Bevölkerung lebt im Nordosten. Deutschstämmige Einwohner finden sich heute noch überwiegend im Süden des Landes und hier in den Staaten Paraná, Rio Grande do Sul und Santa Catarina. Japaner finden wir heutzutage vor allem noch in Sao Paulo, Polen und Ukrainer in Paraná.

In Brasilien finden sich zudem registrierte Gemeinschaften, die eine an Traditionen und Subsistenzwirtschaft orientierte Lebensweise führen. Entscheidend dabei ist dass die Zuordnung unabhängig von der ethnischen Zugehörigkeit ist, und so zählen hierzu nicht nur indigene Gruppen, sondern auch nicht-indigene Gruppen:

  • Quilombolas, die von schwarzen Sklaven abstammen
  • Kautschukzapfer des Bundesstaates Acre, die europäische und indianische Vorfahren haben
  • Quebradeiras de Coco Babaçu, die Babaçu-Sammlerinnen, welche in den Bundesstaaten Maranhão, Pará, Piaui und Tocantins ansässig sind

Indianer in Brasilien

brasilianischer indigener Einwohner
Foto: Angehöriger der Guarani

Die indigene Bevölkerung Brasiliens sind die Ureinwohner des Landes, in dem sich die meisten unkontaktierten Völkern weltweit befinden. Erst vor kurzem gefundene Reste von Siedlungen beweisen, dass bereits vor 50.000 Jahren Menschen in Brasilien lebten. Zur Zeit der Ankunft der Europäer im 16. Jahrhundert existierten etwa 1.000 Völker mit fünf Millionen Menschen. Heute gibt es nur noch 500.000 Indigene, die in etwas mehr als 200 Völkern auf etwa zwölf Prozent der Fläche Brasiliens, die meisten im Amazonasgebiet, leben.

Durch die Rodung des Regenwaldes wird der Lebensraum der indigenen Einwohner immer kleiner und vor allem auch die intensive Brandrodung zerstört den Lebensraum der Ureinwohner. Ein Beispiel sind die Ticuna, welche vor dem Eintreffen der Europäern etwas mehr als eine Million Angehörige hatte, heute leben im ganzen Amazonasgebiet nur noch etwa 40.000.

Bei den Indigenen wird unterschieden nach dem Integrationsgrad:

Integrierte Indigene

Diese verwenden Geld als Zahlungsmittel, leben in Städten oder Dörfern, fahren Auto, arbeiten als Angestellte und sprechen Portugiesisch.

Isolierte Indigene

Diese Gruppe hat keinen Kontakt zu der Gesellschaft und leben nach ihren Riten und Bräuchen. Sie sprechen kein Portugiesisch und nutzen häufig nicht mal Kleider.

Leben in der Isolation

Isolierte Indigene im Amazonas im Brasilien Reisefuehrer @Brazil24.com
Foto: Isolierter Indianerstamm in Brasilien

Noch heute werden in Brasilien, Peru und Kolumbien indigene Völker entdeckt, die jeden Kontakt zur „Außenwelt“ meiden. Mit Hubschraubern wird der Amazonas-Regenwald in geringer Höhe überflogen und dabei werden kleine Gruppen gesichtet. Mitte Juni 2011 wurde ein bisher noch nicht gesichtetes isoliertes Volk mit etwa 200 Angehörigen im Javari-Tal nahe der Grenze zu Peru erkannt.

Was diese Menschen denken, wenn sie einen Hubschrauber sehen? Es geht ihnen wohl so wie den Protagonisten im Film Avatar, diesen Vogel haben sie vorher nie gesehen und durch seine lautstarke Annäherung sind die Indianer verschreckt und zücken, wie auf dem Bild zu sehen, Pfeil und Bogen.

Sprachen in Brasilien

verschiedene Sprachstaemme finden sich in Brasilien
Bild: Sprachen in Brasilien

Brasilien ist das einzige Land in Amerika, in dem Portugiesisch gesprochen wird. Es unterscheidet sich in der Aussprache und durch eine abgewandelte Orthographie und Grammatik von der europäischen Variante. Das (brasilianische) Portugiesisch ist alleinige Amtssprache und für mindestens 97 % der Bevölkerung Muttersprache. Die Indianersprachen werden nur noch von etwa 0,1 % der Bevölkerung gesprochen, dazu zählen Guaraní, Makú, Tupi und Gês, wobei die letzten beiden vorrangig im Amazonasgebiet verbreitet sind, wo der Einfluss der Europäer gering blieb. In den Küstengegenden sind die Indianersprachen praktisch vollständig verdrängt worden. Guaraní hatte zu Kolonialzeiten eine größere Bedeutung und ist nur knapp daran gescheitert, Amtssprache des Landes zu werden. Insgesamt werden in Brasilien 188 verschiedene Sprachen und Idiome gesprochen.

Minderheitensprachen

Aufgrund der Einwanderung gibt es in Brasilien zahlreiche Minderheitensprachen. Bis zu 1,5 Millionen Brasilianer sprechen Deutsch als Muttersprache. Damit ist Deutsch die zweithäufigste Muttersprache des Landes. Nachfahren der Auswanderer aus Pommern beherrschen zuweilen das Ostpommersche wesentlich besser, während ihr Hochdeutsch kein muttersprachliches Niveau erreicht. Eine besonders starke pommersche Minderheit lebt im Bundesstaat Espírito Santo. Zudem sprechen etwa 500.000 Menschen Italienisch, 380.000 Japanisch und 37.000 Koreanisch. Diese Volksgruppen gehörten teilweise zu den ersten Siedlern und ihre Nachfahren verstehen heute fast nur noch Portugiesisch. In den Ortschaften, die als Zentren für Einwanderer galten, entstanden oftmals brasilianische Dialekte der Einwanderersprache. Beispiele sind Talian, brasilianisches Italienisch, oder das Riograndenser Hunsrückisch.

Fremdsprachen

Für gewöhnlich verstehen die Brasilianer etwas Spanisch, auch wenn sie die Sprache selbst nicht sprechen. Als Folge der verstärkten wirtschaftlichen Zusammenarbeit der lateinamerikanischen Länder im Mercosur wird die Bedeutung des Spanischen gegenüber dem Englischen, das kaum verbreitet ist, noch zunehmen. In den Grenzgebieten zu anderen südamerikanischen Ländern bildete sich das sogenannte Portunhol heraus, eine Mischsprache aus Portugiesisch und Spanisch, die die Verständigung vor allem im Grenzgebiet zu Paraguay erleichtert.

Religion

Laut dem Zensus des Jahres 2010 bekennen sich 64,6 % der Bevölkerung zur römisch-katholischen Kirche,
22,2 % der Bevölkerung sind Protestanten. 2,0 % sind Anhänger des Spiritismus, 0,3 % bekannten sich zu afro-brasilianischen Religionen wie Candomblé und Umbanda. Des Weiteren gibt es knapp 1.400.000 Zeugen Jehovas, etwa 225.000 Mormonen, 245.000 Buddhisten, meist Nachkommen japanischer Einwanderer, 107.000 Juden, über 35.000 Muslime, meist Nachkommen syrisch-libanesischer Einwanderer, und mehr als 5.500 Hindus. 8,0 % erklärten, keiner Religion anzugehören. Im Jahr 2000 zählte man etwa 17.100 Anhänger indigener Religionen; das sind 0,01 % der Brasilianer und rund 4,1 % der indigenen Bevölkerung.

Die Einwohner Brasiliens

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